26 Mrz

Sicher durch Versicherungen?

Unser gesamtes Leben hängt mittlerweile von funktionierender Informationstechnik ab. Dies gilt insbesondere für Wirtschaft oder Verwaltung und betrifft auch sensible Bereiche wie Energieversorgung, Gesundheitseinrichtungen oder Verteidigungsanlagen. Überall, wo Computer und Netzwerke im Einsatz sind, besteht die Gefahr von Störungen oder Ausfällen infolge von Defekten, menschlichem Versagen oder Angriffen durch Innen- oder Außentäter. Es scheint, als könne man sich unmöglich vor allem schützen. So sehr man sich bemüht, irgendetwas kann immer schief laufen. Wäre das nicht ein klassischer Fall für eine Versicherung?

Versicherungen sollen unvorhersehbare Schäden regulieren und vor existenzbedrohlichen Konsequenzen schützen. Entsprechend der Vielfält denkbarer Schadenszenarien ist die Materie ausgesprochen kompliziert. Neuerdings sind neben klassischen Sach- und Personenpolicen auch IT-Versicherungen am Markt zu haben. Die Frage, ob sie sich lohnen und für wen, kann man in wenigen Sätzen kaum beantworten.

Sicher ist, dass im Schadenfall unter Umständen enorme Summen zu leisten wären. Ein versicherungsmathematisches Modell geriete schnell aus den Fugen, wenn der Leistungszusage kein genügender Prämienerlös gegenüber stünde. Hinzu kommen die Versicherungsbedingungen, die praktisch immer mehr oder weniger umfassende Mitwirkungspflichten der Versicherungsmnehmer beinhalten. Andernfalls würde der Vertrag entweder unrentabel teuer für den Versicherungsnehmer oder könnte gar nicht abgeschlossen werden. Noch ist der Markt für Cyber-Versicherungen klein. Die Gesellschaften experimentieren noch mit den Bedingungen und feilen an ihren Kalkulationsmodellen.

Die Grundtendenz unterscheidet sich aber nicht vom bisherigen Versicherungsgeschäft. Möchte man sich etwa gegen das Risiko eines Schadens infolge eines Angriffs auf das eigene Netzwerk versichern, wird ein Versicherer den Nachweis geeigneter technisch-organisatorischer Schutzmaßnahmen fordern. Nun gilt es abzuwägen, ob diese Maßnahmen das Risiko nicht ohnehin so weit senken, dass es der Versicherung gar nicht mehr bedarf. Umgekehrt riskiert seinen Versicherungsschutz, wer nicht genügend unternimmt, um einen Schaden möglichst zu vermeiden.

Wie man es dreht und wendet: Eine Versicherung allein löst nicht das Problem mit den unwägbaren Umständen des Alltags. Sie hilft allenfalls, ein etwaiges Restrisiko abzufedern. Der Grundschutz muss durch den Verantwortlichen selbst sichergestellt sein. Niemand käme schließlich auf die Idee, vor dem Hintergrund einer bestehenden Gebäudeversicherung auf sachgerechten Brandschutz zu verzichten. Im IT-Bereich verhält es sich ebenso: Wer sich von vornherein umfassend gegen Angriffe aus dem Internet schützt, hat letztlich auch in der Versicherungsfrage gute Karten.